Hunter-Boots

Gummi ist nicht gerade atmungsaktiv oder glamourös. Es hält zuverlässig Wasser und Morast von außen fern, sowie Fußschweiß nah. Beim Angeln oder Stall ausmisten ist das natürlich unverzichtbar. Politiker tragen sie gerne bei Hochwasser, als Zeichen der Volksnähe und des anpackenden Aktionismus. Doch auch in übersichtlichen Pfützen kommen sie zum Einsatz, z.B. an kleinen, fröhlich stampfenden Kinderbeinchen. Gummistiefelgestaltung ist daher wohl auch oft ein bisschen infantil, wenn nicht klassisch schlammfarben. Sehr beliebt scheint hier der klassische Fliegenpilz zu sein, rot und pünktchenübersäht oder auch die signalgrüne Variante, inklusive applizierter Froschaugen. Gummistiefel sind so herrlich funktional und treu bei unwirtliches Wetter.

Daher wohl auch ihr Ruf als Inbegriff der entspannten und völlig gerechtferigten Geschmacklosigkeit. Immernoch? Überall? Nein. Jenes Land, das die Konversation über sein regnerisches Wetter perfektioniert hat und in welchem Regenschirme zum Stilkanon gehören natürlich nicht, nicht in England.

Denn niemand kann kapriziöser konservativ sein, als die Engländer.

Egal ob man den Glastonbury-Festivalmatsch nach einem 15 000 Euro Verlobungsring durchwühlt, oder auch etwas weniger hysterisch bei leichtem Regen mit den royalen Hunden durch Sandringham spaziert, das alles funktioniert gut in Gummistiefeln.
Dabei ist eigentlich ziemlich egal in welchen. Theoretisch. Praktisch werden dafür aber aussschließlich Stiefel der britischen Traditionsmarke Marke Hunter verwendet.

Vorallem von den zwei zweifellos wichtigsten englischen Stilikonen, Kate Moss und der Queen. Eigentlich ist der Umstand, dass diese Frauen manchmal die gleichen Stiefel tragen, etwas überraschend. Wie hat Hunter geschafft, gleichzeitig königlicher Hoflieferant und Modelbeinumschmeichler zu sein? Zuallererst waren Hunterstiefel für Bauern, dann für Soldaten und schließlich auch noch für Leute mit orthopädischen Fußproblemen. Alle scheinen damit recht zufrieden gewesen zu sein, die Queen schätzt Qualität und Kate Moss hat eigentlich immer schon getragen, was ihr grade so in den Kram gepasst hat. Soweit so unspektakulär. Doch nicht dur die Queen, auch die Moss trägt die Stiefel immernoch, obwohl schon millionenfach kopiert, von clubbenden Popsternchen und Fashionblogs-lesenden Büromädchen. Rock’n’Roll ist das nicht mehr, auch wenn sie sich beim nächsten Glastonbury ausschließlich mit Gummistiefeln bekleidet im Schlamm wälzt. Angela Merkel würde mit der Fliegenpilzvariante und einem Sandsack für mehr Aufruhr sorgen.

Die Geschichte der berühmt-berüchtigten Gummistiefel begann 1856 in Schottland, mit dem amerikanischen Geschäftsmann
Mr Henry Lee Norris. Heute trägt sie die Queen und Kate Moss auch.
Im Matsch sind alle gleich, fast! Get dirty!