Mein Rucksack und Ich

„Du hast sicher bemerkt, dass Fjällräven-Ausrüstung nicht den letzten Trends folgt, sondern Qualität für eine sehr lange Zeit bietet.“

Das ist ein schönes Zitat, entnommen aus der rustikalen Website jenes schwedischen Herstellers von Outdoorprodukten.

Eine süße Feststellung, man wird gedutzt, wie bei Ikea und der vor Authentizität nur so strotzende Ausdruck „letzter Trend“ erwärmt einem auch gleich das Herz. Tja. Allerdings, wenn mein Fjällräven und ich unterwegs sind, werde ich sehr oft auf jenen anscheinend doch allerletzten Trend, mitunter offensichtlich despektierlich hingewiesen.

Für diese Kritiker ist Fjällräven eher das Epizentrum der Konvergenzzone aus Schweden- und Hipsterklischees, quasi Kinder von Bullerbü, die in Mitte hängen.

Man bewegt sich aber heutzutage auch auf einem Mienenfeld. Es macht der Menschheit anscheinend die größte Freude, wenn sie nach langer Zeit auch mal erkannt haben, welche Objekte zum Klischeekanon gehören, um dann munter naserümpfend auf mich und den armen kleinen, quadratischen Schulranzen loszugehen.

Anstatt sich mit mir über sein heiteres Senfelb und großen Tragecomfort zu freuen und mir zur Absenz von Jutebeuteln zu gratulieren, werde ich nonstop in Schubladen gesteckt.

Liebe Leute, ich weiß das! Ich trage ihn voller Freude und in klarem Bewusstsein seiner allerletzten Trendigkeit, denn ich liebe diesen Rucksack. Er ist der romantische Traum von Schlittenhunden unter Aurora Borealis und ich fühle ich mich damit, wie ein schwedisches Schulmädchen, dass im Wechselschritt die Straßen entlang hüpft und alle mit hejhej begrüßt.

Meine Freude beginnt schon morgends, wenn ich beim Einräumen den Reißveschluss aufziehe.

Dann sehe ich erstmal das eingenähte, weiße Adressschildchen, auf dem man nach Doppelpunkten auf einer gepunkteten Linie seine Kontaktdaten im Falle eines Vertauschs auf dem Schulhof angeben kann.

Der Firmengründer, jener damals 14-jährige Åke Nordin aus Örnsköldsvik hat einfach mitgedacht.

Manchmal packe ich mir sogar eine Tuppadose mit Vollkornkäsebrot und Apfelschnitzchen ein, die dann gegenseitig ihren Geschmack annehmen.

Keine Birnen, denn Birnen sind gegen das Konzept. Åke s anfängliches Hauptanliegen war nämlich die Verbannung der birnenförmigen Rucksäcke, in der alles wie in einem stinkenden Turnbeutel unförmig nach unten sackt.

Das Vinylon-F-Gewebe meines Kleinen bleibt immer schön quadratisch und hat sogar eine Aufbewahrungsmöglichkeit für wichtige Dokumente. Die kommen in das knittersichere DIN A4-Extrafach, wahrscheinlich gedacht für HSK-Hefte mit grünem Einband und kariertem Ökopapier, rückseitig mit Informationen über die bedrohten Tierarten am Amazonas. Das war zu meiner Schulzeit eher das In-Thema, Regenwaldabholzung.

Heute ist das drängendere Problem wohl mehr das Abschmelzen der Polkappen und voilà!:

Fjällräven heißt doch tatsächlich Polarfuchs auf schwedisch, aha deswegen auch das Logo mit dem eingekringelten Fuchsbaby.

Hergestellt wird übrigens klimaneutral und man kann für Antipelz-und-für-den-Fuchs-Kampagnen spenden, es ergibt alles einen Sinn.

Aus lauter Euphorie hab ich mich auch gleich weitergebildet und weiß jetzt, dass Polarfuchs auf lateinisch Alopex Lagopus heißt und das A mit dem komischen Kringel drüber eigentlich das schwedische O, O demnach U und U Ü ist.

Das schreib ich mir gleich in mein HSK-Heft, wenn ich mir Ronja Räubertochter fertig bin.