Schmott

Das Urban Dictionary sagt:
Schmott is short for Schmotty the panda. A gentle, loving creature from the woodlands of Poland. A complete spaz with a very nice ghetto booty, a soft, pale white tummy and a very short attention span.
Micha und Maze sind keine Pandas und haben auch kein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.
Zusammen heißen sie aber trotzdem Schmott, formerly known as ‘das Schmott’, formerly known as Schmitt und Ott.
Herr Schmitt und Herr Ott kennen sich schon seit 15 Jahren. Angefangen hat alles mit Skaten und Saufen in Heidelberg, weiter ging es mit Studieren in Weimar an der Bauhausuniversität und nach ein paar Projekten zusammen zeigte schon einiges in Richtung Zusammenarbeit und Schmott.
“Wir haben einfach beide Bock zu arbeiten und denken in die gleiche Richtung… Wir sind das Wagnis eingegangen und die letzten Jahre waren sehr aufregend!”
Und da sitzen sie jetzt in ihrem charmanten Baustellenbüro mit ihren beeindruckenden, sehr analogen Archivkisten und grinsen mich durch ihre Webcam an. Skypeoffiziell habe ich es hier übrigens mit Klaus Schmott zu tun, dem unsichtbaren Praktikant, der wohl soeben Bilder scannt.
Schmott kündigt außerdem an, alle Mitarbeiter in Zukunft Klaus zu nennen, Klaus 1, Klaus 2 und Klausine gibts dann vielleicht auch.
Aber bevor es soweit ist, geht es erstmal im Duett weiter.

Einer der beiden hat sich von Anfang an für die Fotografie entschieden, der andere startete mit Grafikdesign.
Die Schmotts sind also durchaus verschieden, aber leben den Fotokommunismus.
Sie sind nach eigenen Angaben eine superadditive Symbiose, denn bei Schmott ergibt Eins plus Eins mindestens Drei.
Sie scheinen auf alles neugierig zu sein und irgendwie auch alles zu können.
“Wir haben keine Themenfixierung, wir haben Neigungen! Wir sehen es nicht ein, uns für etwas nicht zu interessieren.”
Auf ihrer Seite schmott.co findet sich einiges, von Portraits über Architekturfotografie, Stillife, Albumcover, generative Bildkonzepte und Landschaftsfotografie.
Kein Foto wird mit einem einzelnen Namen in Verbindung gebracht. Egal wer auf den Auslöser gedrückt hat, Autor ist Schmott. Punkt.
“Als Fotograf hat man ja ein riesiges Ego, aber wir können uns trotzdem darauf verlassen, dass wir zusammen besser sind, als allein.”
Auch bei der Landschaftsstrecke für Super Paper geben mir die beiden einige Rätsel auf, wer hier was fabriziert hat. Wir einigen uns auf eine Auswahl der Schmottfavoriten, nämlich:
“8, 11 und 7! Ach nee, mach 11 und 7! Der Vogel ist weg geflogen!”
In anderen Worten, ihr werdet es nie erfahren. Genauso wenig, wie die genauen Orte, an denen die Bilder entstanden sind.
Nur soviel, sie liegen teilweise auf verschiedenen Kontinenten. Mal Argentinien, mal Schweiz, mal ein Steinbruch im Nirgendwo.
Die Fotos scheinen wie aus einem Guss, stammen aber aus ganz unterschiedlichen Ecken des elaborierten Schmottarchivs.
“Wir lieben Archivarbeit und wir haben ein riesengroßes Archiv.”
(Im Hintergrund wird von einem Teil des Schmotts eifrig in Kisten rumgekruscht)
Wer selbst einen Eindruck bekommen will, sollte unbedingt einen Blick auf ihren Blog schmott.co/blog werfen.
“Er ist eine visuelle Kommunikation der beiden Fotografen. Zwischen den Bildern findet der aufmerksame Leser/Betrachter Fragen und Antworten – in oder gegen die Leserichtung, jedes Bild trägt beide in sich.”
Aktuelles Schmottprojekt ist die Bebilderung des Nachtdigital Festivals.
Dazu bespielen die beiden einen Kellerraum mit einer Installation zum Thema unseriöse Wissenschaften in Miami.
Dafür haben sie in Zusammenarbeit mit Michas Freundin und ihren Arduino-Programming Skills eine Aurakamera gebaut.
“Du musst dich hinsetzten, dann kriegst du Sensoren und dann wird deine Aura abgegriffen”.
Das Aurabild kann man dann sogar als indivudelles Nachtdigital Plattencover mit nach hause nehmen.

Ein weiteres Projekt in naher Zukunft wird wieder die Zusammenarbeit mit der Modedesignerin und Freundin Anne Gorke aus Weimar sein.
“Wir fotografieren ihre Kollektionen nicht im klassischen Sinne als Fashionfotografen.
Wir dürfen viel mitreden und unsere eigene Sicht der Dinge mit einfließen lassen.

Wir lieben den bewusst eingebauten Fehler.
Das gibt es im Theater, manche Regisseure setzen einen Fehler ein, um das Publikum wieder wach zu rütteln.
Die digitale Welt ist ja meistens sowieso sehr perfekt retuschiert.
Wir nehmen da bewusst einen anderen Standpunkt ein, das kommt vielleicht vom Skaten.
Wir sind ein bisschen anti.
Wenn alle in die eine Richtung gehen, dann sind wir die, die in die andere Richtung wollen.
Wir fotografieren natürlich auch digital, aber am liebsten analog.
Für uns spielt das Medium in der Fotografie überhaupt eine sehr große Rolle.
Wir sind Kamerafetischisten. Kameras sind geil.
Komposition findet für uns durch den Sucher statt und das Wichtigste überhaupt ist eine gute Geschichte.
In jedem Bild von uns ist aber noch etwas anderes drin.
In jedem Bild steckt unsere Liebe zur Fotografie.

Wir haben auch ein ziemlich gutes Foto von uns,
da sind wir auf der Elbphilharmonie Baustelle.
Das erste Konzert im halbfertigen Philharmoniesaal haben nämlich wir gegeben.
Mit einem verrückten Professor und seinen 20 Vuvuzelas.
Wir stehen da sogar in ner Pfütze drin, geil.”

Und was macht ihr jetzt?

“Mittagessen!”