Straußenkissen

Neulich im Flugzeug: »Wake me for meals« an den Sitz geklebt und Augen zu. Ruckartig fällt der Kopf des Einnickenden hin und her. Das wäre einem Profi nicht passiert. Der ist bestens ausgestattet mit Nackenrolle oder auch kosend Nackenhörnchen genannt, das wie ein kleines anschmiegsames Tier den schweren Kopf liebevoll stützt. Währenddessen kann der Reisende ohne Sorge von seinem geometrisch angeordeneten Flugzeugessen
träumen. Es ist hoch wahrscheinlich, dass ebenjener routinierte Weltenbürger sich auch mit Schlafbrille und Ohrstöpseln ausgestattet hat. Eventuell lauscht er auch noch entspannenden Delfinklängen auf seinem Minidiscplayer. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein, in solch gediegener Reiseperfektion.

Tja, aber die Stewardessen sind auch nicht mehr so galant wie damals und die Spezies Nackenhörnchen ist akut bedroht durch die Invasion der Straußenkissen. Dieses Objekt des Rückzuges ähnelt dem Sprössling eines weichgespülten Tauchhelms und einem American Apparel Sweatshirt.
Man kann den Kopf darin versenken und wenn man sich zufällig an einem Schreibtisch oder auf dem Boden befindet, auch die Hände. Die Gestalter, das Studio Kawamura-Ganjavian befassen sich gern mit Lösungen für die sich wandelnden Bedürfnisse der Gesellschaft: Komfort trotz nomadischen Lebenstils und Verschmelzung von Arbeits- und Entspannungszeit, gepaart mit der verspielten Weigerung erwachsen zu werden. Das Straußenkissen ist ein bisschen wie ein Kind, das sich die Augen zuhält und dabei denkt, es ist für die Welt unsichtbar. Wenn es die Augen wieder aufmacht, arbeitet es bis zu 37% produktiver, versprechen die Gestalter. Manchmal würde man sich wünschen, statt Strauß auch mal Schildkröte sein zu dürfen. Im Büro den Schlafsack auspacken und danach vielleicht zum Konferenzraum-yoga. Nichtsdestotrotz ist das Straußenkissen wunderbar und viel besser, als das einer hässliches Packung entnommene, aufblasbare, nach Plastik stinkende Nackenkissen in Kombination mit Satinschlafbrille und Waxpfropfen im Gehörgang.

org. Ostrich Pillow, wurde von Kawamura-Ganjavian für Studio Banana Things gestaltet. Es ermöglicht bequeme Powernaps, egal wo und egal wann. Einmal aufgesetzt, ist man in seiner eigenen Welt, zumindest geistig.