Wäre dieses Ding ein Mensch

Wäre dieses Ding ein Mensch, dann wären es wahrscheinlich zwei.

Ein ungleiches Paar. Vielleicht ein exzentrischer Vierjähriger und sein hedonistischer Rebellenruder mit dem Sex Pistols T-Shirt. Wenn man sich mit den beiden auf einen ästhetischen Plausch einließe, dann nur in Verbindung mit einem kommunikativen Heißgetränk. Aber welches? Ein duftender, italienischer Cappuccino wäre ebenso passend wie Yogitee.

Da säße man nun, aber was würde man fragen, welche Antworten bekäme man?

Die Kinderstube ist ja meistens doch wichtig, also wie sieht es mit den Wurzeln aus?

Die Heimat der beiden ist Memphis, sie haben einen genialen Vater. Die Geschwister sind äußerst zahlreich. Eine Schwester ist eine echte Netrebko unter den Klassikpopstars. Man hört von einer Valentine mit einer Schwäche für rote Plastikmäntel.

Genau genommen ist sie allerdings nur eine Halbschwester, die bekannteste Tochter mit der ersten Ehefrau Olivetti.

Der Capuccinotrinker und der Yogiteefan sind Kinder ihrer Zeit, echte Goldstücke einer Era.

Auch wenn einst der eigene Vater sie verleugnete und sonstige Würdenträger sie mit Ambivalenz bewarfen, sind sie doch Ikonen und lehnen sich während des Gesprächs wahrscheinlich sehr entspannt zurück.

Der leicht subversive Charme umweht sie noch immer, trotzdem sind fröhliche Kleinkinder und genießerische Punks nicht billig in der Anschaffung.

Die beiden sind auf jeden Fall ziemlich laut. Mit unverholener Extrovertiertheit wird jede noble Zurückhaltung übertönt, denn das was es zu sagen gibt, das soll auch gehört werden.

Es ist ein wunderbares Bad Taste Kränzchen. Geschichten werden erzählt, mit saftigen, runden und bunten Wörtern voller Anspielungen und mit ziemlich hochwertigem Intellektuellen-Humor.

Niemand würde es wagen ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Jede Äußerung ist kühn, verwegen und genüßlich jeder Logik und Konvention trotzend.

Es ist lustig, die Runde amüsiert sich prächtig. Spontan werden bunte Bauklötze ausgepackt und fröhlich experimentiert.

Noch Cafe, noch Tee? Man erfährt etwas über die Getränkewahl.

Der Vater ist Italiener, verbrachte aber einige Zeit in Indien. Das war für seine darauffolgende Haltung als Gestalter ausschlaggebend.

Er ist nicht nur einer der einflussreichsten Designer seiner Zeit, sondern auch und ursprünglich Architekt. Da verwundert es nicht, dass viele seiner Objekte eine gewisse Ähnlichkeit mit seinen Gebäuden haben und umgekehrt.

Das gilt auch für den Entwurf, der hier das große Geheimnis ist.

Eines der größten Anliegen des Vaters sind die Lebensräume der Menschen und die Möglichkeiten, die sie ihnen bieten.

Auch dieser Entwurf steht für ein neues Bewusstsein für die Erfahrung von Dingen und Raum.

Wäre dieses Ding also keine zwei Menschen, dann natürlich ein Gebäude. Es wäre ein Tempel. Man könnte darin die Sterne beobachten, Musik hören und verrückte Drogen nehmen.

Vielleicht gäbe es auch einen Coffeetable, auf dem ein Bildband über das Bauhaus läge. Beim Durchblättern fiele auf, dass irgendjemand mit Eddings in primärfarben Walter Gropius zusätzliches Gesichtshaar gemalt hat.

Früher oder später muss man aber aus dem gemütlichen Boxringsofa aussteigen und sich ernsthaft Gedanken über die Postmoderne machen.

Vielleicht würde man dann den bunten Nihilismus belächeln und als schrill und postadoleszent abhaken.

Für heute belassen wir es aber dabei eine Entschuldigungskarte in das Bauhausbuch zu legen, in Helvetica und selbstverständlich schwarzweiß.

Vielen Dank für das Gespräch, Teapot des Ettore Sotsass.