Wilson

Abgesehen von ehrgeizigen Mädchen, die gerade ein Spiel in den Sand gesetzt haben, ist das Weinen über Volleybälle eher untypisch. Doch jeder »Cast Away«-Zuschauer hat es am eigenen Leib erlebt oder wurde dabei zumindest Zeuge des Phänomens.

In diesem Film kämpft der Schiffbrüchige Chuck Noland nach einem Flugzeugabsturz auf einer Insel ums Überleben. Sein einziger Gesprächs- bzw. Monologspartner in der Einsamkeit ist ein Volleyball der Firma Wilson.

Auch für den Zuschauer wird Wilson dabei mehr und mehr zum vollwertig vermenschlichten Objekt. Als er sich dann bei Chucks Versuch der Insel auf einem Floß zu entfliehen von seiner liebevollen Befestigung löst und davondriftet, ist das Geschrei groß: WILSON! Nie war ein Ball sympathischer. Wilson ist sogar so beliebt, dass man sich beim Onlineshopping nach einem ganz klassischen Volleyball der Firma erstmal durch ein verblüffend großes Angebot an Cast-Away-Wilsons vorbei arbeiten muss.

Es gibt auch einen Mondkrater namens Wilson, benannt nach dem schottischen Astronomen Alexander Wilson, dem schottischen Physiker Charles Thomson Rees Wilson und dem US-amerikanischen Astronomen Ralph Elmer Wilson. Es scheint so, als ob sich der in der Fremde allein gelassene Mensch gern mit einem Objekt etwas Stabilität und Gesellschaft verschafft, oder aber einfach irgendwas Wilson nennt. Chuck Noland instrumentalisierte eben seinen blutbeschmierten Volleyball, ein anderer berühmter Gestrandeter objektifizierte einen Menschen und benannte ihn nach einem beliebten Wochentag. Doch nicht nur einsame Inseln und unbewohnte Trabanten stellen Herausforderungen dar, auch das tägliche Dasein im Ameisenhaufen Großstadt verlangt nach Strategien, allerdings eher solchen der Abgrenzung. Den Starbucksbecher fest umklammernd durch die Rushhour. Mit den Nordic Walking Sticks resolut hinter den Marathonanwärtern im überbevölkerten Park zurückbleibend. Konzentrierte Displayanalyse im Zug.

Manchmal dienen uns Objekte als Verteidigung gegen
die Einsamkeit, manchmal als Schutzschild gegen die feindliche, anonyme Masse. Aber egal
wo und wie wir unterwegs sind, wir halten uns gern an Dingen fest und Dinge können uns festhalten.